Prävention und Gesundheitsförderung ist ein Gesundheitsvorsorgeprogramm für Versicherte, die in kleinen und mittelgroßen Unternehmen beschäftigt sind.

Prävention und Gesundheitsförderung

Eine steigende Lebenserwartung, die Zunahme chronischer Krankheiten sowie die Verlängerung der Lebensarbeitszeit der Beschäftigten sind Entwicklungen, denen sich auch die Rentenversicherung stellen muss. Die gesetzliche Rentenversicherung bietet daher Versicherten, die durch belastende Arbeitsumstände und hinzukommende Belastungen aus ihrem sozialen Umfeld einem höheren gesundheitlichen Risiko unterliegen, spezifische Präventionsleistungen zur Förderung ihrer Gesundheitskompetenz und Beschäftigungsfähigkeit an.

Präventive Leistungen durch den gesetzlichen Rentenversicherungsträger basieren auf dem Wissen, dass frühzeitige medizinische und multiprofessionelle Interventionen bei verhaltens- bzw. lebensstilbedingten Gesundheitsbeeinträchtigungen positive Auswirkungen auf die Gesundheit und damit auch auf die Beschäftigungsfähigkeit des Einzelnen haben.

Eine frühzeitig einsetzende Leistung der Rentenversicherung dient dem Ziel einer geeigneten Intervention zur Vermeidung eines konkreten Rehabilitationsbedarfs (im Sinne von § 10 SGB VI) und der Sicherung einer dauerhaften Beschäftigungsfähigkeit. Dies ist insbesondere unter Berücksichtigung der Verlängerung der Lebensarbeitszeit der Beschäftigten und der Zunahme chronischer Krankheiten von großer Bedeutung.

Um dem Grundprinzip des Vorrangs der Prävention vor der Rehabilitation zur Vermeidung von Behinderung und chronischen Erkrankungen Rechnung zu tragen (§ 3 SGB IX), sollen Versicherten mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen, deren Erwerbsfähigkeit noch nicht akut gefährdet ist, medizinische Leistungen zur Sicherung der Erwerbsfähigkeit angeboten werden (§ 14 Abs. 1 SGB VI).

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Voraussetzungen und Zugang zur Präventionsleistung

Für die Bewilligung und Durchführung der Präventionsleistung ist grundsätzlich eine Antragsstellung durch die Versicherte oder den Versicherten an den zuständigen Rentenversicherungsträger erforderlich.

Die Präventionsleistung richtet sich an Personen, die bei der Deutschen Rentenversicherung aktiv versichert sind und bei denen aus gesundheitlichen Gründen ein Bedarf für entsprechende frühzeitig einsetzende Leistungen zur Sicherung der Beschäftigungsfähigkeit besteht.

Die persönlichen Voraussetzungen sind erfüllt, wenn Versicherte erste gesundheitliche Beeinträchtigungen aufweisen, die noch keinen Krankheitswert haben, aber dennoch, unter Einwirkung weiterer negativer Einflussfaktoren, die ausgeübte Beschäftigung gefährden können.

Als erste gesundheitliche Beeinträchtigungen gelten zum Beispiel:

  • Beginnende Funktionsstörungen der Bewegungsorgane
  • Psychische Beeinträchtigungen
  • Beginnende Funktionsstörungen innerer Organsysteme

Die Präventionsleistung ist angezeigt, wenn beginnende Funktionsstörungen mit spezifischen beruflichen Belastungen und Gefährdungen vorliegen und folgende Faktoren auf den Erwerbstätigen zutreffen:

  • Individuelle Risikofaktoren wie Rauchen, schlechtes Ernährungsverhalten, Bewegungsmangel oder Übergewicht
  • Fettstoffwechselstörungen und andere metabolische Indikationen
  • Rückenschmerzen und andere muskuloskelettale Indikationen
  • Bluthochdruck
  • Ungünstige Einflussfaktoren aus dem Arbeitsumfeld (Stress durch Schichtarbeit, Arbeitsdichte) und psycho-soziale Komponenten (Führungsstil, Betriebsklima oder Leistungsdruck, Lärm, Kälte, Hitze, monotone Steh- oder Sitzhaltung)
  • Mitarbeiter von Betrieben, die bereits Gesundheitsprobleme im Sinne von Funktionsstörungen mit einer spezifischen beruflichen Gefährdung bzw. Belastung zeigen, die jedoch noch keinen Rehabedarf nach § 10 SGB VI haben

Versicherte mit manifesten Befunden, bei denen bereits umfangreiche therapeutische Leistungen erforderlich sind, scheiden für diese Leistung aus. Für sie sind Leistungen zur Rehabilitation nach §§15 SGB VI erforderlich.

Ziele der Präventionsleistung

Die Präventionsleistung versucht, auf die gesundheitliche Verfassung, die individuelle Lebensführung sowie auf die Selbstkompetenz der Teilnehmer einzuwirken, um eine bessere Bewältigung der Anforderungen des Arbeits- und Berufslebens zu erreichen.

Übergeordnete Zielsetzungen:

  • Erhalt und Förderung der Gesundheit und Beschäftigungsfähigkeit
  • Lebensstiländerung und Aktivitätsförderung
  • Besserer Umgang mit körperlicher und psychischer Anspannung
  • Risikofaktoren erkennen und Schutzfaktoren entwickeln bzw. ausbauen
  • Vorbeugen chronischer Gesundheitsstörungen
  • Förderung von Motivation und Aktivität bezüglich eines eigenverantwortlichen und gesundheitsbewussten Verhaltens

Ablauf und Inhalte der Präventionsleistung

Die Präventionsleistung „Prävention und Gesundheitsförderung“ wird stets in Gruppen durchgeführt und gliedert sich in vier aufeinander aufbauende Teilabschnitte:

1. Initialphase

Das erste Modul, die sogenannte Initialphase, erfolgt stationär im Centrum für Prävention. Die Teilnehmer werden in zielgruppenspezifischen Gruppen von maximal 15 Personen zusammengefasst. Im Vordergrund stehen neben diagnostischen Maßnahmen (Statuserhebung) vor allem aktives Training und Aktivierung, Schulungen und Gesundheitsseminare sowie die Motivation zur Eigeninitiative.

Inhalte der Initialphase im Centrum für Prävention:

  • Aufnahme durch den Arzt
  • Diagnostische Untersuchungen im Rahmen eines Gesundheitschecks
  • Vortrag zum Thema Prävention, Risikofaktoren und Salutogenes
  • Gesundheitsseminare und Schulungen zu den Themenkreisen Ernährung, Stressbewältigung, Bewegung und Fitness
  • Rückenschule mit zielgruppenspezifischen Schwerpunkten
  • Kraft und Fitnesstraining
  • Aquafitness
  • Nordic Walking
  • Präventives Gesundheitstraining mit Pulskontrolle – Outdoor
  • Entspannungsübungen
  • Informationen und Hinweise in Hinblick auf die Durchführung der webbasierten Trainingsphase
  • Abschlussbesprechung in der Gruppe

2.  Trainings- und Verstetigungsphase

Der stationären Initialphase folgt eine ambulante Trainings- und Verstetigungsphase. Der Teilnehmer soll im Rahmen dieser Trainingsphase motiviert werden, die vereinbarten Gesundheitsziele konsequent, vor allem in Eigenverantwortung, zu verfolgen. Ziel ist es, den Teilnehmer zu Eigenaktivität zu motivieren und einem Rückfall in alte Gewohnheiten entgegen zu wirken. Der Teilnehmer soll erkennen, dass sich Aktivität in vielerlei Hinsicht lohnt.

Gruppen, die mit Versicherten aus verschiedenen, überwiegend kleineren und mittleren Unternehmen zusammengesetzt werden, erfordern eine andere Form der Durchführung der ambulanten Trainingsphase. Eine Teilnahme der Leistungsberechtigten an einer 3-monatigen Maßnahme, die berufsbegleitend in einer beschäftigungsortsnahen ambulanten Rehabilitationseinrichtung als Gruppenleistung stattfinden sollte, ist bei dieser Art der Gruppenzusammensetzung nicht möglich.

Um grundsätzlich jedem Versicherten, d.h. auch Versicherte, die einen Einzelantrag stellen, Versicherte ohne wohnort- oder beschäftigungsortsnaher Reha-Einrichtung, die nicht in einem großen Unternehmen angestellt sind oder die aufgrund von persönlichen oder berufsbedingten Gründen die Präventionsleistung nicht in Anspruch nehmen könnten, die Teilnahme zu ermöglichen, bedarf es einer (unter Zuhilfenahme bestehender Computer- und Telekommunikationstechnologien) modifizierten Durchführung der ambulanten Trainingsphase (Online Coaching).

Im Rahmen der digitalen Betreuung (Online Coaching), stehen ausgesuchte Medien zur Verfügung, welche die Teilnehmer individuell anwenden und deren Nutzung in der Initialphase bereits praktisch dargestellt und erprobt werden. Sollten Teilnehmer die digitale Betreuung während der Trainingsphase ablehnen bzw. nicht in Besitz eines Smartphones oder PCs sein, kann die Betreuung auch auf konventionellem Weg (Handouts in Papierform, Kontakt über Telefon, Fax oder per Post) erfolgen. Es bestehen somit keine Barrieren für die Durchführung der Trainingsphase.

Inhaltliche Schwerpunkte in der ambulanten Trainingsphase sind aktive Therapien, zum Beispiel ein gesundheitsorientiertes Ausdauertraining (Joggen, Walking, Ergometertraining, etc.). Ebenfalls im Vordergrund steht die regelmäßige Durchführung eines speziellen Muskelkrafttrainings. Ein Heimtrainingsprogramm mit Übungen zur Stabilisierung der Rumpf- und Rückenmuskulatur mit Therabandübungen sowie Vorgaben zur Durchführung der in der Initialphase praktizierten Entspannungsmethoden, sind wichtiger Bestandteil und finden sich zusammen mit den Themen der psychologischen Seminare (z.B. Stressbewältigungstraining) und der Ernährungsberatung im Trainingsmanual wieder.

Die Zuhilfenahme bestehender Computer- und Telekommunikationstechnologien ermöglichen das Kontakthalten sowie Austausch und Interaktion zwischen Gruppe und Therapeuten. Über die auf diesem Wege stattfindende Betreuung soll der Teilnehmer motiviert werden, die vereinbarten Gesundheitsziele konsequent und in Eigenverantwortung zu verfolgen. Ziel ist es, den Teilnehmer zu Eigenaktivität zu motivieren ihn für sein eigenes Verhalten zu sensibilisieren und einem Zurückfallen in alte Gewohnheiten entgegen zu wirken.

3. Eigenaktivitätsphase

In der sich anschließenden sechs Monate dauernden Eigenaktivitätsphase führt der Teilnehmer das Programm in Eigenverantwortung und Eigeninitiative fort. In dieser Phase sollen die Teilnehmenden die vermittelten Ansätze zu Verhaltens- und Lebensstiländerungen eigenverantwortlich im Alltag umsetzen.

Durch das Offenhalten der webbasierten Forumsseite aus der ambulanten Trainingsphase, haben die Gruppenteilnehmer weiterhin Zugriff auf das Trainingsmanual sowie auf alle in der ambulanten Trainingsphase erhaltenen Informationen. Auch die Möglichkeit der Weiterführung der Trainingsdokumentation besteht. Der fortlaufende Austausch der Teilnehmer untereinander fördert zudem die Interaktion und Motivation und kann positive gruppendynamische Effekte hervorrufen.

Neben den beschriebenen Vorteilen der fortbestehenden Online Vernetzung können in dieser Phase auch angebotene Kurse wohnortnaher ambulanter Einrichtungen, des örtlichen Sportvereins oder der Krankenkassen eine hilfreiche Unterstützung bieten.

4.  Auffrischungsphase (Refresher)

Die Auffrischungsphase, die in Form zweier Refresher Tage im Centrum für Prävention erfolgt, hat zwei übergeordnete Zielsetzungen. Zum einen erfolgt eine Wiederholung der in der Initialphase durchgeführten diagnostischen Untersuchungen (Statuserhebung), zum anderen soll durch die Erörterung der Erfahrungen und Probleme während der ambulanten und selbstverantwortlichen Trainingsphase die Motivation zu einer gesunden Lebensführung nachhaltig gefördert werden.

Um eine gute Vergleichbarkeit und Auswertbarkeit zu erreichen, erfolgt die Statuserhebung in der Auffrischungsphase analog und unter den gleichen Bedingungen zur Initialphase. Die Blutentnahme, das ärztliche Aufnahmegespräch, das Ruhe-EKG, die ergometrische Belastungsuntersuchung, der Rückenfunktionstest sowie die individuelle Befundbesprechung durch den Facharzt sind Bestandteile der diagnostischen Statuserhebung.

Strukturelle Anforderungen

Das Centrum für Prävention ist eine Einrichtung der Klinik Höhenried gGmbH. Für die Durchführung der Präventionsleistung wird auf bestehende Strukturen und Ressourcen der Rehabilitationsklinik Höhenried zurückgegriffen. Alle diagnostischen und fachärztlichen Untersuchungen finden in den umfassend ausgestatteten Räumlichkeiten des Centrums für Prävention statt.

Für die gruppentherapeutischen Einheiten stehen ausreichend große Gymnastik- und Seminarräume sowie eine moderne Medizinische Trainingstherapie zu Verfügung. Das vorhandene Schwimmbad ermöglicht Anwendungen im Wasser sowie freies Schwimmen am Abend. Eine Sauna mit all den positiven gesundheitlichen Effekten des Saunierens, sorgt für Entspannung.

Wer trägt die Kosten?

Kosten für:Kosten bei:
InitialphaseDeutsche Rentenversicherung
Ambulante TrainingsphaseDeutsche Rentenversicherung
EigenaktivitätsphaseTeilnehmer
Auffrischungsphase (Refresher)Deutsche Rentenversicherung

Zugang und Beantragung der Präventionsleistung

Anträge auf Präventionsleistung können über einen Hausarzt, einen Facharzt oder über den zuständigen betriebs- oder werksärztlichen Dienst gestellt werden. Die enge Einbindung der beantragenden Ärzte, auch der Betriebs- und Werksärzte, spielt eine wichtige Rolle bei der Identifikation von Risikofaktoren, die eine Teilnahme am Präventionsprogramm begründen könnten.

Die beantragenden Ärzte überprüfen die medizinischen Voraussetzungen und erstellen einen ärztlichen Befundbericht. Dieser wird mit dem Antrag des Versicherten dem zuständigen Rentenversicherungsträger zur endgültigen Begutachtung vorgelegt.

Qualitätssicherung und Dokumentation

Um den Erfolg der Präventionsleistung zu beurteilen, ist eine umfangreiche Nachbetrachtung vorgesehen. Ziel ist die Prüfung des Erfolgs der Präventionsmaßnahme: Profitieren die Teilnehmer kurz-, mittel- und langfristig in Bezug auf Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Arbeitsfähigkeit?

Sämtliche Ergebnisse, der Verlauf der Präventionsmaßnahme sowie die Erfassung der KTL Ziffern werden über den gesamten Zeitraum der Präventionsleistung dokumentiert. Am Ende der stationären Anteile der Präventionsleistung (Initialphase, Auffrischungsphase) erfolgt durch den Facharzt – mit Hilfe des Dokumentationsbogens G195 – ein umfassender ärztlicher Abschlussbericht. Grundlage der Dokumentation sind in den stationären Phasen die medizinisch-diagnostischen Erhebungen im Rahmen der Statuserhebung.

Berichte über Ablauf und Ergebnisse der Präventionsleistung sind zentraler Bestandteil der Qualitätssicherung.